Liebe Sabine,
(04.06.2010 13:40)mykologicus schrieb: über ein Jahr ist es her, dass ich versprochen hatte, einen aus dem ursprünglichen Beitrag noch nicht abschließend bestimmten Pilz an Robinie weiter zu beobachten
- Herrlich: Jedes deiner Einzelbilder vom 08.04.2010 und 05.05.2010 reicht jetzt aus, um diesen "Trojaner" völlig zweifelsfrei als (
Ganoderma applanatum = "Flacher Lackporling" ) zu identifizieren.
---> Hervorragend auch deine Beschreibung (nachfolgend in kursiver Schrift), die ich nur geringfügig zu kommentieren/ergänzen brauche:
c) am Wachstumsrand flach, jedoch nicht weiß
- Die weiße Zuwachskante solltest du nicht zu eng sehen, da nach meiner Beobachtung nur +-recht frische Zuwachskanten (Poren, Hutrandkante) +-weiß/weißlich sind.
---> Hier ein Beispiel aus meinem Fundus:
---> Völlig anders sieht es bei älteren, trockenen Fruchtkörpern aus: Hellere (aber nicht weiße!) Zuwachskante der Porenschicht und ein nicht immer auffällig hellerer Hutrand sind da nicht ungewöhnlich. Und im Extremfall kann man die hellere Zuwachskante nicht mehr nachempfinden:
Fazit:
Dein Fruchtkörper liegt m.E. noch völlig in der Variabilität.
d) am Wachstumsrand an etlichen Stellen eingerissen
- Das kannst du als
„unspezifische Trockenrisse“ abhaken und ignorieren.
e) Fruchtkörper deutlich am Substrat herablaufend
- Beachte bitte (vergleiche Schnittbild), dass die Poren im Vergleich zum konsolenförmigen Fruchtkörper rel. schwach das Substrat herablaufen.
---> Und bei Fruchtkörpern, die in den Folgejahren mit rel. schwachem Dickenwachstum bevorzugt vom Substrat wegwachsen ist im Alter das Herablaufen (der resupinate Anteil) kaum noch erkennbar und erwähnenswert.
f) höckerig-runzelige Oberseite mit deutlichen konzentrischen Zonen, schmutzig-dunkelgrau bis braun mit olivgrünem Bereich an der Anwachsstelle
Ergänzung:
- Die Hutkruste ist
im Alter hart und lässt sich durch Druck mit dem Fingernagel nicht mehr eindrücken.
- Der „Streichholz-Test“ ist negativ, da die Huthaut kein Harz enthält.
g) Fruchtfleisch hart und fleckenartig hell entfärbt
- Perfekt, wenn du vor „hart“ noch „braun, “ einfügst.
- Und helle Stellen kannst du übrigens auch bei den Poren sehen.
---> Für mich ein sehr konstantes Merkmal der Trama (Fruchtfleisch) und der Poren !!!
h) Röhrenschicht einfach, nicht in mehrschichtig
- Na, das sehe ich nicht ganz so:
---> Bei der mir verfügbaren Fruchtkörperhälfte kann ich bei den Poren 2 Vegetationsschichten (eine längere vom letzten Jahr und eine kürzere von diesem Jahr) erkennen.
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(04.06.2010 13:40)mykologicus schrieb: Gerd hat von mir die eine Hälfte des zerschnittenen Fruchtkörpers bekommen und wird hierzu auch noch etwas schreiben.
- Ja, zweifelsfrei
G. applanatum (Flacher Lackporling). Und ich hatte mich (bevor ich deinen Begleittext gelesen hatte) schon gewundert, warum du mir diesen bereits im Feld sicher bestimmbaren Fruchtkörper zugespielt hattest.
- Natürlich gab es auch beim Blick durch’s „Scharfe Auge“ (Mikroskop) keine Irritationen:
(a) Sporen (n=30; p=95%):
- L x D = 6,5 –
7,5 - 8,5 x 4,6 - 5,3 -6,1; Qm = 1,4; Vm = 120µm^3
- hellbraun, breitelliptisch bis eiförmig mit +-abgestutztem, hyalinen Keimporus und charakteristischer Doppelwand. Endospor kleinwarzig/unebenem.
(b) Hyphensystem trimitrisch: Generative Hyphen (hyalin, Septen mit Schnallen), Bindehyphen und Skeletthyphen (bräunlich, dickwandig)
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(04.06.2010 13:40)mykologicus schrieb: Genau ihn (Anmerkung Gerd: G. applanatum) hatte Gerd mit einiger Sicherheit im vergangenen Jahr ausgeschlossen.
(1) Peinlich: Und dabei fing alles so harmlos an:
Zitat:Zitat (Sabine #1): Der nächste dürfte der Echte Zunderschwamm /Fomes fomentarius sein.
![[Bild: attachment.php?aid=2023]](http://www.das-naturforum.eu/forum/attachment.php?aid=2023)
![[Bild: attachment.php?aid=2024]](http://www.das-naturforum.eu/forum/attachment.php?aid=2024)
Zitat Gerd #6: - Ich spekuliere da eher auf Ganoderma applanatum (Flacher Lackporling)
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Zitat (Sabine #7): Der Flache Lackporling hat mich - schon wieder - zum Narren gehalten!
Zitat Gerd #8: - "Flacher Lackporling" ist nur meine Einschätzung. Ob die stimmt kannst du recht einfach durch Ärgern der Porenschicht feststellen.
---> Jetzt im Nachhinein noch eine Begründung, warum ich auf
G. applanatum spekuliert hatte: Auf oben gezeigten Bild 2 erkennt man (a) eine krustige, etwas höckrige Oberfläche, (b) eine runzlige Zonierung und © beginnende Brauntöne; alles rel. typische Merkmale dieser Art.
---> Und der deiner Einschätzung nach ingesamt etwas zu helle Hut liegt m.E. immer noch voll in der Variabilität.
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(2) Aber dann wurde ich total verunsichert:
Zitat:Zitat (Sabine #9): Der Flache Lackporling wuchs im vergangenen Herbst auch an einem anderen Baum 150 m weiter (gleiche Baumart wie bei diesem neuen hier), so wie in den meisten Büchern abgebildet mit zimtfarbener Oberfläche. So hell wie gestern habe ich ihn bisher nie gesehen.
Zitat (Sabine #11): Ich habe mit einem Löffelstiel recht heftig an der Unterseite herumgekratzt, bis eine Rötung entstand. Aber ich hatte dabei eher den Eindruck, dass ich die Poren abgekratzt hatte und dadurch die darunter liegende braune Schicht sichtbar wurde. Hier ein Foto meines Versuchs:
---> Da hattest du mich mit deinen Bildern zur Porenverletzung (fehlende Farbreaktion beim Ärgern der Porenschicht) völlig überrascht, mich über den Tisch gezogen und ich habe mich danach nur noch auf die Alternative „Falscher Zunderschwamm“ konzentriert.
(3) Beim Blick durch’s „Scharfe Auge“ hat sich dann endgültig die
Kraft der Einbildung durchgesetzt und ich habe mit „Tunnelblick“ nur noch Punkte für den
„Falschen Zunderschwamm“ gesammelt und Hinweise auf den
„Flachen Lackporling“ schlicht ignoriert:
- Ok., wenigstens den
„Echten Zunderschwamm“ (Fomes fomentarius) (Sporen: Lm x Dm = 16 – 24 x 5,5 – 6,5µm) konnte man wegen der allerdings nur spärlich gefundenen Sporen (gemessen: 7,3 x 5,4µm, L/D = 1,35, Vm = 120µm^3) sicher ausscheiden.
-
Ganoderma spec.[(u] musste ich leider ausschließen, da den Sporen die typische komplexe „Doppelwandstruktur“ fehlten.
---> Pech gehabt: Die Sporen waren verm. noch zu jung!!!
- Übrig blieb dann aus meiner Sicht nur noch [u]Falscher Zunderschwamm (Phellinus igniarius s.lat.) mit „hyalinen“ Sporen Lm x Dm = 5,5 – 7 x 4,5 – 6 µm.
---> Pech gehabt:
(a) Ich habe mir eingebildet „hyaline“ Sporen (allerdings nur in Färbemittel und nicht in Wasser begutachtet) zu sehen.
(b) Ich habe erwähnt (und ignoriert), dass die Sporengröße etwas oberhalb der Literaturangaben liegen.
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Hyphensystem:
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Generative Hyphen: dünnwandig, verzweigt, hyalin, 2-3µm, ohne Schnallen
---> Wundert mich jetzt nicht mehr, dass ich die rel. kleinen Schnallen (habe die eh nicht erwartet) nicht beobachtet/gezielt gesucht habe.
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Habe vereinzelt verzweigte dickwandige wie Skeletthyphen gefärbte Hyphen gesichtet.
---> Schon erstaunlich (die Kraft der Einbildung lässt grüßen!!!), dass ich diese „Skeletthyphen“ (ein „Killkriterium“ für P. ignarius s.lat.) ignoriert habe.
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Setae im Hymenium:
- Keine gefunden !
---> Pech gehabt: Denn ohne Setae muss man „Phellinus igniarius (Falscher Zunderschwamm) ausschließen.
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Chemische Reaktionen:
- Trama mit KOH +-schwarz[i]
---> Passt leider auch bei G. applanatum.
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Mein damaliges Fazit (freut mich nachträglich) zeigt, dass ich meiner Bestimmung misstraute:
Zitat Gerd:
[i]- Mein derzeitiger Favorit (bin mir da keineswegs völlig sicher) ist weiterhin Phellinus igniarius (Falscher Zunderschwamm)
---> Vorschlag: Abwarten und später zusätzlich noch einen ausgewachsenen Fruchtkörper untersuchen.
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Und wegen meiner Unsicherheit habe die Schnipsel noch meinem Freund KARL KECK zur Untersuchung übergeben. Hier muss ich erwähnen, dass ich KARL KECK (kannte deine gezeigten Bilder nicht) gezielt gebeten hatte, die Schnipsel auf „Ph. ignarius“ (Falscher Zunderschwamm), insbesondere auf Setae, zu überprüfen.
Karl Keck schrieb:ich habe das Pilzfragment, das Du mir mitgegeben hast, untersucht.
Ganoderma scheidet aus, weil ich keine Schnallen gefunden habe.
Das würde für Phellinus igniarius sprechen. Ich habe auch ein paar pfriemförmige Setae gefunden, die von der Größe her zu Ph. ign. passen.
Leider fand ich weder Basidien noch Sporen. Darum ist die Bestimmung für mich nicht 100%ig sicher.
---> Dieses sicher auch durch mich neg. beeinflusstes Ergebnis (ich hatte „Ph. ignarius“ suggeriert) ist nicht überrraschend, wohlbekannt und fast typisch (die Einbildung läßt grüßen!!!), wenn man z.B. verzweifelt ein "Schlüsselmerkmal" sucht.
Liebe Grüße
Gerd
PS.:
- Peinlich (ich halte das allerdings aus

), dass ich mich so schnell von meiner ersten Einschätzung
Ganoderma applanatum verabschiedet hatte.
- Ok, ich zeige deeshalb zur allgemeinen Erheiterung wenige abschreckende Beispiele über „Kraft/Macht“ von Einbildung und Authoritätsglaube, die der böhmische Mykologe A.K.J. CORDA in
J. Sturm (1837): Deutschlands Flora gezeigt hat:
- Seine Basidiomyzeten (Ständerpilze), da bringt er viele Beispiele, produzieren die Sporen in Schläuchen (Asci).
- Und die absolute Krönung (ein Mix von Einbildung und Authoritätsglaube) ist Tafel 52:
---> Hier werden die Sporen auch in Schläuchen dargestellt, die von Zystiden befruchtet werden. Eine Idee, die CORDA authoritätsgläubig von BULLIARD (1783 postuliert) übernommen hat.
- Kaum erwähnenswert, dass beide hochkarätige Mykologen sich diesen Unsinn hätten ersparen können, wenn sie die Arbeiten von P.A. MICHELI (1729) gelesen hätten. Aber, das war ja nur ein einfacher ital. Gärtner, der von den damaligen Fachmykologen als unter ihrer Würde schlicht ignoriert wurde.