Liebe Pilzler unter den Naturfreunden,
über ein Jahr ist es her, dass ich versprochen hatte, einen aus dem ursprünglichen Beitrag noch nicht abschließend bestimmten Pilz an Robinie weiter zu beobachten:
Das habe ich getan und ihn am 08.04.2010 wieder besucht. Er war in der Zwischenzeit tüchtig gewachsen. Für das Foto habe ich mich auf den Baumstumpf draufgestellt, damit ich seine Oberseite schön scharf bekomme:
Und noch ein Unterseitenfoto:
So richtig gut ist das Foto nicht geworden, deshalb war ich am
05.05.2010 nochmal an der Stelle. Und in der Zwischenzeit ist der Pilz einfach von der Rinde abgefallen, er war ziemlich schwer und die Baumrinde hatte einen dicken Spalt zum Holz gebildet.
Ansicht Hutoberseite:
Ansicht Hutunterseite:
Ansicht Schnittbild:
Beschreibung des Zustandes am 05.05.2010:
a) steht bis zu 9 cm vom Substrat ab
b) halbkreisförmig, ca. 16 cm breit
c) am Wachstumsrand flach, jedoch nicht weiß
d) am Wachstumsrand an etlichen Stellen eingerissen
e) Fruchtkörper deutlich am Substrat herablaufend
f) höckerig-runzelige Oberseite mit deutlichen konzentrischen Zonen, schmutzig-dunkelgrau bis braun mit olivgrünem Bereich an der Anwachsstelle
g) Fruchtfleisch hart und fleckenartig hell entfärbt
h) Röhrenschicht einfach, nicht in mehrschichtig
i)kein Spp vorhanden
k) Röhrenausgänge hell bis weiß, und man kann darauf malen!
Das sind (bis auf d) und e)) alles Merkmale, wie sie für den
Flachen Lackporling Ganoderma applanatum bei JAHN genannt werden. Genau ihn hatte Gerd mit einiger Sicherheit im vergangenen Jahr ausgeschlossen. Ich fasse hier noch einmal seine Ausschlußkriterien zusammen:
Ganoderma applanatum kann man sicher ausschließen, weil Ganoderma applanatum hat
- generative Hyphen mit Schnallen (henkelförmige Ausstülpungen) // Muster 2009 ohne Schnallen
- Setae (dickwandige, pfriemförmige Hyphenenden) im Hymenium // Setae wurden erst bei Zweituntersuchung 2009 gefunden
- doppelwandige, abgestutzte, rau punktierte Sporen
- komplexe Sporenwand // Muster 2009 ohne komplexe Sporenwand
Einziger "wunder" Punkt dabei scheint das Hyphensystem zu sein:
Das Hyphensystem des Musters 2009 ist
trimitisch // Hyphen am Muster:
- Generative Hyphen: dünnwandig, verzweigt, hyalin, 2-3µm, ohne Schnallen
- Skeletthyphen: Dickwandig, dunkel gelbbraun, 2,6-5,3µm
Der bislang vermutete Kandidat, der
Falsche Zunderschwamm Phellinus igniarius s.l. hat als Erwachsener
einen stets abgerundeten Wachstumsrand, Röhren gelb bis rostbraun und
SPP weiß. Und der hat ein
dimitisches Hyphensystem (siehe Gerd Zitat aus Jülich (1984): Kleine Kryptogamenflora Band IIb/1 vom 17.02.2009).
Gerd hat von mir die eine Hälfte des zerschnittenen Fruchtkörpers bekommen und wird hierzu auch noch etwas schreiben. Ich kenne zwar sein Untersuchungsergebnis, fände es aber ein bißchen unfair, es ihm sozusagen aus der Hand zu nehmen.