Liebe Pilzfreunde unter den Naturfreunden,
es gibt eine neue Folge der Holzpilze! Ich könnte auch titeln: was man nur lange genug liegen läßt, kommt schneller zu seinem Namen.
Am 25.11.2007 machten wir einen Spaziergang durch den Duvenstedter Brook. Der liegt im äußersten Norden von Hamburg und steht zum größten Teil unter Naturschutz. Es gibt viele unterschiedliche Biotope mit zum Teil seltenen Arten. Teilweise Buchenwald, ein kleiner Teil mit Nadelwald, aber auch offene moorige Heidelandschaften mit großem Hirschbestand sind vorhanden.
Vorausschicken möchte ich, dass wir unsere damals noch relativ neue digitale Spiegelreflex-Kamera noch nicht richtig beherrschten. Weißabgleich war ein unbekanntes Wort, den optischen Scharfsteller für den Dioptrienausgleich hatten wir auch noch nicht gefunden; kurz und gut: nach heutigem Stand sind die Fotos nur dürftig geworden. Trotzdem zeige ich sie, weil ich erstaunt war, schon 2007 offenbar auf diesem Spaziergang ausschließlich Pilze an Holz fotografiert zu haben. Es hatte vorher leicht geschneit, die Temperatur war unter Null.
Für die Bestimmung des
Gelbstieligen Muschelseitling Panellus serotinus habe ich damals ziemlich lange gebraucht und die Bestimmung der übrigen auf später verschoben. Aus heutiger Sicht: da gibt es kein Vertun! Die dicht gedrängt stehenden Lamellen laufen nicht am Stiel herab,
der Stiel ist gelb mit feinen bräunlichen Schuppen und dezentral angebracht. Dieses Foto hatte ich gemacht, weil an der Stielbasis einerseits weißes Myzel zu sehen ist und andererseits bereits klitzekleine Pilzfruchtkörper angelegt sind.
Bis vor einem Jahr hatte ich behauptet, noch nie einen
Spaltblättling Schizophyllum commune gefunden zu haben. Stimmt nicht! Er war schon 2007 dabei! Und er ist unverwechselbar.
Es gab auch eine ziemlich typische
Schmetterlingstramete Trametes versicolor:
Jetzt haut mir bloß nicht um die Ohren, dass ein Unterseitenfoto fehlt... Der helle Zuwachsrand und die gebänderten Zonen finde ich sehr eindeutig für Trametes versicolor. Es gab aber an anderer Stelle einen weiteren Fruchtkörper, der auf den ersten Blick anders aussieht, den ich aber auch wegen des weißen Zuwachsrandes, die braune Farbe der Hutoberfläche ebenfalls für eine junge Schmetterlingstramete halte.
Auf einem liegenden Buchenstamm (sieht jedenfalls nach Buche aus, und die herumliegenden Blätter sind ebenfalls Buchenblätter) fanden sich in Reih und Glied angeordnet
Buckeltrameten Trametes gibbosa:
Ich weiß noch ganz genau, dass ich beim nächsten Pilz damals ziemlich ratlos war, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Schaut selbst mal:
Nun, vorhin habe ich nur geschmunzelt. Ein zweiter Blick, und alles war klar. Aber der Reihe nach. Im oberen Bildteil zeigt die Porenschicht zum Fotografen, darunter befinden sich Fruchtkörper mit der Porenschicht zum Boden zeigend. Der Baumstumpf hat offensichtlich eine Zeit aufrecht gestanden bevor er umfiel und die Fruchtkörper in anderer Richtung weiter wuchsen. Eben immer mit der Fruchtschicht zum Boden zeigend. Ein weiteres Bild dazu:
Was mich so irritiert hatte, war dass der Fruchkörper oben so angeschwärzt wirkte und irgendwie "angefressen" wirkte. Siehe erstes Foto im oberen Bereich. Davon habe ich dann noch ein detailliertes Bild gemacht.
Des Rätsels Lösung ist einfach - wenn man sie kennt: diese stulpenförmigen Öffnungen gehören der
Zitzengallfliege Agathomyia wankowiczi, die sie im Larvenstadium bewohnt, und sie kommt ausschließlich am
Flachen Lackporling Ganoderma applanatum vor.
Zum Schluß habe ich noch einen büschelig an Holz wachsenden, den ich spontan und aus dem Bauch heraus mit
Grünblättrigem Schwefelkopf Hypholoma fasciculare beschriften wollte:
Aber halt, stopp! Auch sehr überständige Fruchtkörper müßten schwärzlich-grünliche Lamellen haben. Und grün sehe ich hier nicht. Eher schmutzig-grau. Außerdem haben einige Hüte deutlich erkennbare Velumreste. Die hat der Grünblättrige Schwefelkopf so nicht, jedenfalls keine alten Fruchtkörper. Der größte Fruchtkörper rechts hat einen Durchmesser, der größer ist als die vielen umherliegenden Buchenblätter lang sind und sollte damit größer als die 2 - 6 cm (GERHARDT) bzw. 2 - 7 cm (LAUX) sein, die für den Grünblättrigen Schwefelkopf angegeben werden. Außerdem ist links am Bildrand noch ein etwas frischerer Fruchtkörper zu sehen, an dessen Hutrand ein breites Band mit Velumresten erkennbar ist. Ich habe im GERHARDT, LAUX und BON mit dem
Ziegelroten Schwefelkopf Hypholoma sublateritium verglichen und finde, dass die dort angegebenen Merkmale gut passen.
Üppiges Velum, das auf der Hutoberseite lange erhalten bleibt. Hutoberfläche kräftig ziegelrot und zum Rand hin heller, kein Merkmal das an einem gefrorenen überständigen Fruchtkörper auszumachen ist, aber zum Rand hin heller paßt. Stiel stark überfasert paßt auch. Lamellen alt olivbraun (GERHARDT) bzw. grau bis olivgelb (LAUX) bzw. ockergrau (BON). Grau paßt. Schneiden weißlich. Am obersten Fruchtkörper mit den sichtbaren Lamellen gerade noch ahnbar. Schlußendlich lassen die ausschließlich herumliegenden Blätter den Schluß zu, dass der Baumstumpf ein Laubbaum gewesen sein müßte. Und der Ziegelrote Schwefelkopf wächst nur an Laubholz. Gibt es Einwände gegen den Ziegelroten Schwefelkopf, Euer Ehren? Ich hoffe nicht.
Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem 14. Teil über Holzpilze, auch wenn er etwas lang geworden ist.