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Pilze an Holz Teil 14
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mykologicus Offline
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Beitrag #1
Pilze an Holz Teil 14
Liebe Pilzfreunde unter den Naturfreunden,

es gibt eine neue Folge der Holzpilze! Ich könnte auch titeln: was man nur lange genug liegen läßt, kommt schneller zu seinem Namen.

Am 25.11.2007 machten wir einen Spaziergang durch den Duvenstedter Brook. Der liegt im äußersten Norden von Hamburg und steht zum größten Teil unter Naturschutz. Es gibt viele unterschiedliche Biotope mit zum Teil seltenen Arten. Teilweise Buchenwald, ein kleiner Teil mit Nadelwald, aber auch offene moorige Heidelandschaften mit großem Hirschbestand sind vorhanden.

Vorausschicken möchte ich, dass wir unsere damals noch relativ neue digitale Spiegelreflex-Kamera noch nicht richtig beherrschten. Weißabgleich war ein unbekanntes Wort, den optischen Scharfsteller für den Dioptrienausgleich hatten wir auch noch nicht gefunden; kurz und gut: nach heutigem Stand sind die Fotos nur dürftig geworden. Trotzdem zeige ich sie, weil ich erstaunt war, schon 2007 offenbar auf diesem Spaziergang ausschließlich Pilze an Holz fotografiert zu haben. Es hatte vorher leicht geschneit, die Temperatur war unter Null.

Für die Bestimmung des Gelbstieligen Muschelseitling Panellus serotinus habe ich damals ziemlich lange gebraucht und die Bestimmung der übrigen auf später verschoben. Aus heutiger Sicht: da gibt es kein Vertun! Die dicht gedrängt stehenden Lamellen laufen nicht am Stiel herab,

[Bild: attachment.php?aid=9588]
   

der Stiel ist gelb mit feinen bräunlichen Schuppen und dezentral angebracht. Dieses Foto hatte ich gemacht, weil an der Stielbasis einerseits weißes Myzel zu sehen ist und andererseits bereits klitzekleine Pilzfruchtkörper angelegt sind.
[Bild: attachment.php?aid=9589]
   

Bis vor einem Jahr hatte ich behauptet, noch nie einen Spaltblättling Schizophyllum commune gefunden zu haben. Stimmt nicht! Er war schon 2007 dabei! Und er ist unverwechselbar.

[Bild: attachment.php?aid=9591]
   

Es gab auch eine ziemlich typische Schmetterlingstramete Trametes versicolor:
[Bild: attachment.php?aid=9592]
   

Jetzt haut mir bloß nicht um die Ohren, dass ein Unterseitenfoto fehlt... Der helle Zuwachsrand und die gebänderten Zonen finde ich sehr eindeutig für Trametes versicolor. Es gab aber an anderer Stelle einen weiteren Fruchtkörper, der auf den ersten Blick anders aussieht, den ich aber auch wegen des weißen Zuwachsrandes, die braune Farbe der Hutoberfläche ebenfalls für eine junge Schmetterlingstramete halte.

[Bild: attachment.php?aid=9593]
   

Auf einem liegenden Buchenstamm (sieht jedenfalls nach Buche aus, und die herumliegenden Blätter sind ebenfalls Buchenblätter) fanden sich in Reih und Glied angeordnet Buckeltrameten Trametes gibbosa:

[Bild: attachment.php?aid=9594]
   

Ich weiß noch ganz genau, dass ich beim nächsten Pilz damals ziemlich ratlos war, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Schaut selbst mal:

[Bild: attachment.php?aid=9595]
   

Nun, vorhin habe ich nur geschmunzelt. Ein zweiter Blick, und alles war klar. Aber der Reihe nach. Im oberen Bildteil zeigt die Porenschicht zum Fotografen, darunter befinden sich Fruchtkörper mit der Porenschicht zum Boden zeigend. Der Baumstumpf hat offensichtlich eine Zeit aufrecht gestanden bevor er umfiel und die Fruchtkörper in anderer Richtung weiter wuchsen. Eben immer mit der Fruchtschicht zum Boden zeigend. Ein weiteres Bild dazu:

[Bild: attachment.php?aid=9596]
   

Was mich so irritiert hatte, war dass der Fruchkörper oben so angeschwärzt wirkte und irgendwie "angefressen" wirkte. Siehe erstes Foto im oberen Bereich. Davon habe ich dann noch ein detailliertes Bild gemacht.

[Bild: attachment.php?aid=9597]
   

Des Rätsels Lösung ist einfach - wenn man sie kennt: diese stulpenförmigen Öffnungen gehören der Zitzengallfliege Agathomyia wankowiczi, die sie im Larvenstadium bewohnt, und sie kommt ausschließlich am Flachen Lackporling Ganoderma applanatum vor.

Zum Schluß habe ich noch einen büschelig an Holz wachsenden, den ich spontan und aus dem Bauch heraus mit Grünblättrigem Schwefelkopf Hypholoma fasciculare beschriften wollte:

[Bild: attachment.php?aid=9598]
   

Aber halt, stopp! Auch sehr überständige Fruchtkörper müßten schwärzlich-grünliche Lamellen haben. Und grün sehe ich hier nicht. Eher schmutzig-grau. Außerdem haben einige Hüte deutlich erkennbare Velumreste. Die hat der Grünblättrige Schwefelkopf so nicht, jedenfalls keine alten Fruchtkörper. Der größte Fruchtkörper rechts hat einen Durchmesser, der größer ist als die vielen umherliegenden Buchenblätter lang sind und sollte damit größer als die 2 - 6 cm (GERHARDT) bzw. 2 - 7 cm (LAUX) sein, die für den Grünblättrigen Schwefelkopf angegeben werden. Außerdem ist links am Bildrand noch ein etwas frischerer Fruchtkörper zu sehen, an dessen Hutrand ein breites Band mit Velumresten erkennbar ist. Ich habe im GERHARDT, LAUX und BON mit dem Ziegelroten Schwefelkopf Hypholoma sublateritium verglichen und finde, dass die dort angegebenen Merkmale gut passen.

Üppiges Velum, das auf der Hutoberseite lange erhalten bleibt. Hutoberfläche kräftig ziegelrot und zum Rand hin heller, kein Merkmal das an einem gefrorenen überständigen Fruchtkörper auszumachen ist, aber zum Rand hin heller paßt. Stiel stark überfasert paßt auch. Lamellen alt olivbraun (GERHARDT) bzw. grau bis olivgelb (LAUX) bzw. ockergrau (BON). Grau paßt. Schneiden weißlich. Am obersten Fruchtkörper mit den sichtbaren Lamellen gerade noch ahnbar. Schlußendlich lassen die ausschließlich herumliegenden Blätter den Schluß zu, dass der Baumstumpf ein Laubbaum gewesen sein müßte. Und der Ziegelrote Schwefelkopf wächst nur an Laubholz. Gibt es Einwände gegen den Ziegelroten Schwefelkopf, Euer Ehren? Ich hoffe nicht.

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem 14. Teil über Holzpilze, auch wenn er etwas lang geworden ist.

Liebe Grüße Sabine
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aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
Immanuel Kant (1724 - 1804)
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.02.2010 19:26 von mykologicus.)
24.02.2010 18:45
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opa hans Offline
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Beitrag #2
RE: Pilze an Holz Teil 14
Hej Sabine,
"was lange währt, wird gut" heißt es doch!! Wink
Ich finde Deine "Serie" sehr,sehr gut und habe bisher ALLE diese Beiträge als "Nachschlagewerk" bei mir abgespeichert! Shy
Es ist für mich hilfreich wenn ich mal schnell etwas in der Richtung suche.Ssttt(auch mit "Laptop" in DK)
Danke dafür
Gruß
Hans
25.02.2010 11:35
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mykologicus Offline
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Beitrag #3
RE: Pilze an Holz Teil 14
Hallo Hans,
vielen Dank fürs Ansehen und den liebenswürdigen Kommentar! Ich finde es klasse, dass du diese Serie als Nachschlagewerk betrachtest und mit nach Dänemark nimmst. Besonders die phantastischen Informationen, die Gerd immer zu den abgebildeten Pilzen abgegeben hat, machen das gehaltvoller. Und danke für die Sternchen!

Liebe Grüße Sabine
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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.02.2010 13:18 von mykologicus.)
25.02.2010 13:17
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Holgi61 Offline
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Beitrag #4
RE: Pilze an Holz Teil 14
Smile Hey mein Sabinchen Big Grin

ich sehe es so. dass Du alles richtig bestimmt hast! Vor allem Deine Korrektur zum "Ziegelroten", warum Du da auf den anderen gekomen bist bei der Hutfarbe????

Ps. Alright schöner Beitrag, bzw. Fortsetzung, bitte mehr davon!

Cool
25.02.2010 20:31
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mykologicus Offline
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Beitrag #5
RE: Pilze an Holz Teil 14
Hi mein Holgi,

danke für's Schauen! Hej, da freue ich mich, dass ich alles richtig habe, juhuu!

Zitat:Vor allem Deine Korrektur zum "Ziegelroten", warum Du da auf den anderen gekomen bist bei der Hutfarbe????

Ganz einfach: dieses ist mein persönlicher Erstfund für den Ziegelroten Schwefelkopf. Ich hatte ja auch geschrieben, dass so ganz spontan und aus dem Bauch heraus das Bildchen schon mit Grünblättriger Schwefelkopf beschriftet war. Und von Gerd habe ich gelernt, sehr kritisch einen zweiten und/oder dritten Blick drauf zu werfen. Es waren vor allem die Velumreste und dann erst die Lamellenfarbe, die ich als unpassend empfand. Ist ja dann doch noch korrekt einsortiert.

Es freut mich total, dass du eine Fortsetzung möchtest. Von diesem Spaziergang ist noch einer übrig. Und ich habe heute vermutlich eine weitere Fehlbestimmung in meinem Archiv entdeckt. Und außerdem einen Pilz, der mal im Pilzforum als Buckeltramete vermutet wurde, ich habe den damals schon mit Fragezeichen abgelegt. Vielleicht findet sich noch mehr, mal sehen.

Schönen Abend noch für dich und deine Familie.

Liebe Grüße Sabine
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25.02.2010 22:36
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emmess Offline
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Beitrag #6
RE: Pilze an Holz Teil 14
Hi Sabine,

lieben Dank für den kompetent und verständlich formulierten und vor allem sehr schön bebilderten Bericht, der zudem sehr lehrreich war!Alright Das gibt mal wieder

*****
Lieber Gruß,
Meinhard

"Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken"
Carlo Karges (1951-2002) Gitarrist und Keyboarder der Rockgruppe Novalis
27.02.2010 16:58
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mykologicus Offline
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Beitrag #7
RE: Pilze an Holz Teil 14
Lieber Meinhard,
danke fürs Schauen und Sterne werfen!

Liebe Grüße Sabine
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27.02.2010 17:40
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Fotoegon Offline
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Beitrag #8
RE: Pilze an Holz Teil 14
Moin Sabine,

unser Gerd hat Deine Arbeit in treffende Worte gekleidet.
Da braucht`s keine Ergänzung von mir. Könnte ich in pilztechnischer Hinsicht auch garnicht.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie akriebisch Du an eine Sache rangehst und für uns aufdröselst.
In der Richtung bin ich leider eine faule Socke .....[Bild: smilie_verl_011.gif]

Top auch die tollen Bilder , die für mich das Salz in der Suppe sind....Alright

Herzliche Grüße, Burkhard
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28.02.2010 10:43 von Fotoegon.)
28.02.2010 10:41
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Nando Offline
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Beitrag #9
RE: Pilze an Holz Teil 14
Hallo Sabine,
auch von mir ein großes Danke für die tolle Dokumentation! Alright
Die Bilder sind schön anzuschauen. Smile


noch ein schönes Wochenende,
Nando
28.02.2010 14:40
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mykologicus Offline
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Beitrag #10
RE: Pilze an Holz Teil 14
Lieber Gerd, Burkhard und Nando,
auch euch herzlichen Dank fürs Ansehen und eure liebenswürdigen Kommentare. Dass ihr diesen Beitrag über nicht essbare Pilze gut findet, das freut mich.

@Gerd:
Du magst nicht auf die junge Schmetterlingstramete wetten und stellst noch einige andere mögliche Arten zur Diskussion:
1) Angebrannter Rauchporling - Bjerkandera adusta. Den habe ich inzwischen diverse Male gefunden, aber so ausgeprägt braunlastig habe ich ihn bisher eher nicht gefunden. Außer einmal, da war er extrem jung, wuchs resupinat mit den Porenöffnungen nach oben. Alle anderen Funde waren eher graulastig.

2) Riesenporling - Meripilus giganteus.
Den habe ich einmal oder zweimal recht jung gefunden, dann aber mit deutlichem Gelbton, die Zuwachskante war erheblich dicker und runder, gleichmäßiger geformt und nicht so "rüschenartig"

Sehr junge Exemplare von der Schmetterlingstramete habe ich hier in meinem Hundeklo-Gehölzstreifen schon oft gefunden, sie haben sehr oft so wie meine gezeigte Abbildung ausgesehen und sind auch ausgewachsen zu richtigen Schmetterlingstrameten geworden. Ich habe noch einen anderen Ausschnitt vergrößert, ich würde behaupten wollen, dass hier doch ansatzweise eine Zonenbildung erkennbar ist:

[Bild: attachment.php?aid=9626]
   

Es wird eine Fortsetzung geben. Aber da sind Arten dabei, bei denen ich foto-dokumentatorisch so ziemlich alles falsch gemcht habe, was geht, muss ich noch ordentlich Miss Marple ins Feld schicken.

Liebe Grüße Sabine
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Immanuel Kant (1724 - 1804)
28.02.2010 18:32
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