Liebe Pilzler unter den Naturfreunden,
unser nächster Urlaub in Österreich rückt näher, da bi ich in Gedanken schon fast mehr da unten als hier. Aus diesem Anlaß gibt es eine neue Folge von Holzpilzen, die dieses Mal nur einen einzigen Fund aus 2007 betrachten wird.
Ausdrücklich widme ich diese Folge unserem Gerd, von dem ich bisher schon viel lernen durfte.
Am 31.08.2007 besuchten wir
nach einigen Tagen heftigen Regens das wunderschöne Wasenmoos bei Mittersill im Salzburger Land, ein Moor direkt am Paß Thurn zwischen den österreichischen Bundesländern Salzburg und Tirol auf
1700 m gelegen. Das Moor liegt eingebettet in Nadelwald. Am Rande des Moores fand ich
am Fuße einer Fichte zwei Büschel mit Pilzfruchtkörpern einer Schüpplingsart. Ich habe damals nur 3 Fotos gemacht und möchte mit diesem Beitrag den Versuch unternehmen, mittels Bildanalyse vielleicht doch noch zu einer Bestimmung zu gelangen. Mir ist auch aus vielen anderen Pilzforenbeiträge bewußt, dass dies ein schwieriges Unterfangen sein wird. Weil die Schüpplinge am liebsten per Sporenmikroskopie bestimmt werden möchten.
Hier nun erstmal die drei Gesamtansichten - ich weiß, die Fotos sind nicht besonders gut.
Habitus: Wachstum büschlig, am Fuß einer Fichte, Hüte deutlich dachziegelig überlappend
Hüte: hell mit gebuckelter Mitte, mit spitzen, besonders an der Spitze dunkleren, aufstehenden Schuppen besetzt. Ältere Hüte etwas abgeflacht. Hutrand lange eingerollt und mit dichten Schuppenfransen behangen. Schuppen abwischbar: die Schuppen sind nur noch dort übrig, wo ein darüber befindlicher Hut die Schupen vor dem Regen geschützt hat. Hutdurchmesser unterstellte ca. 4 - 6 cm aufgrund des Größenvergleichs mit den Fichtennadeln.
Fruchtfleisch: blass gelb - siehe Riß im Hut zweiter Fruchtköprer von oben.
Lamellen: blaß gelblich - siehe mittlerer Fruchtkörper mit den völlig unscharfen Lamellen
Sporenpulver: aufgrund des Fotoausschnitts unterstelle ich es mit rostbraun, weil zwischen den Schuppen alles rostbraun gefärbt ist und der darüber liegende Hut ausreichend alt zum kräftigen Aussporen gewesen sein dürfte.
Stiel: mit gerade noch wahrnehmbarer Ringzone (siehe rote Pfeile), oberhalb der Ringzone hell und kahl, unterhalb der Ringzone dicht und dunkler beschuppt.
Stielbasis: nicht wirklich erkennbar, aber es sieht fast so aus, als verjünge der Stiel nach unten hin. Farbe hier rostbraun.
Soweit die Merkmale, die sich aus den Fotoausschnitten herauskitzeln ließen.
Nun gehts zur Auswertung. Dazu habe ich aus ganz vielen Beiträgen von Gerd in diversen Pilzforen, aber auch aus Homepage-Artenportraits von Sepp (Boletus1) und Harry die Schüpplings-Arten und Detailangaben tabellarisch zusammengetragen. Geordnet nach Name, Hut, Stiel, Substrat, sonstiges. Leider kann man hier keine Tabelle erstellen, deshalb hänge ich das abschließend als PDF an. Mit
Grün habe ich Übereinstimmungen kenntlich gemacht und mit
Rot Ausschlußkriterien.
Pholiota adiposa BARTSCH (Schmieriger Buchenschüppling), (Doppelgänger von Pholiota jahnii):
kann man ausschließen:
Substrat Buche.
Pholiota cerifera KARST (Goldfell-Schüppling) = Pholiota aurivella BARTSCH:
kann man ausschließen:
Substrat Laubholz, besonders Salix (Weide), meist hoch am Stamm, noch nie an Stammbasis beobachtet.
Pholiota jahnii TJALL-BEUK (Pinsel-Schüppling) = Pholiota muelleri:
kann man ausschließen:
Substrat diverse Laubhölzer, meist Buche. Hutschuppen nicht abwischbar..
Pholiota lenta (Tonblasser Schüppling):
kann man ausschließen:
Hutschuppen weiß.
Jetzt kommen wir zur zweiten Gruppe, wo zumindest einzelne Merkmale oder Substrate zu meinem Fund passen würden, die ich letztlich doch wieder ausgeschlossen habe.
Pholiota flammans (Feuer-Schüppling):
Substrat Nadelholz, zahlreiche sparrig aufgerichtete Schuppen, Rand lange eingerollt, Spp rostbraun [Laux], aber:
Hut schwefelgelb, später dottergelb – orangegelb, Stiel schwefelgelb treffen nicht zu.
Pholiota limonella PECK (Hochthronender Schüppling):
Über ihn habe ich fast gar nichts herausgefunden. Aber "
Hochthronend" heißt eben "
weit oben am Stamm wachsend", deshalb habe ich ihn ausgeschlossen.
Pholiota gummosa LASCH (Strohblasser Schüppling, Gummischüppling):
Hut: Fruchtkörper grau, schmutzig-weiß –
blass strohgelb, ockerbraune Schuppen [Laux],
Mitte oft niedergedrückt,
Schuppen (besonders am Rand) abwischbar, [Boletus1], feucht höchstens schmierig, nie schleimig
Substrat: morsche Baumstrünke,
vergrabenes Holz,
abgestorbene Wurzeln
Morsch = tot,
der Baum lebte noch!
Weil der Wirt noch lebte und die Hüte nicht eingedrückt waren -> ausgeschlossen.
Pholiota lucifera LASCH (Fettiger Schüppling):
Hut: gesellig – schwach büschelig,
Hut oft leicht gebuckelt, Schuppen rotbraun + unregelmäßig, angedrückt, leicht vergänglich [Boletus1],
Stiel: Stiel wie Hut gefärbt,
über der vergänglichen Ringzone zitronengelb,
darunter faserig – schuppig [Boletus1]
Substrat: vergrabenes Holz oder Wurzeln [Boletus1]
Aufgrund des überhaupt nicht passenden Substrates habe ich die Art ausgeschlossen.
Und nun sind nur noch zwei Arten übrig, wobei ich für den 1. noch ziemlich tief "graben" mußte:
1. Pholiota squarrosoides (Bleicher Schüppling) PECK und
2. Pholiota squarrosa (Sparriger Schüppling)
Pholiota squarrosoides (Bleicher Schüppling) PECK:
Hut: halbkugelig gewölbt, später etwas gebuckelt, etwas schmierig, dunkel rostbraun, mit flockigen angedrückten und noch dunkler braunen Schuppen bedeckt [pilzbestimmer.de], Schuppen konisch [http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/parchive2005.pl?noframes;read=83116], etwas heller als der Sparrige Schüppling [Zühli im selben Thread]
Substrat: auf totem Holz [pilze.ch, pilzbestimmer.de], nach Holec*) an vermoderndem (decaying) Holz von Laubbäumen (deciduous trees)
*) Monographie von Holec (2001, Libri Botanici)
Da hier nur noch 2 Arten zur Diskussion standen, Pholiota sqauarrosoides auf totem, eben nicht lebendem Substrat vorkommt, konnte ich diese Art auch wieder ausschließen. Gleichzeitig stellten sich nämlich die meisten Gemeinsamkeiten mit meinem Fund bei der 2. verbliebenen Art heraus:
Pholiota squarrosa (Sparriger Schüppling)
Hut: bei Feuchtigkeit nie schleimig,
4-8 (15cm),
Hut älter gewölbt-abgeflacht, Schuppen rostbraun,
Hutrand lange eingerollt und dicht fransig behangen;
Spp braun, Lamellen dicht gedrängt, alt olivbraun, jung blass-olivgelb, Fleisch blassgelb[Laux]
Stiel: Farbe wie Hut, lang und schlank,
mit sparrigen Schuppen bedeckt, oberhalb der schuppigen Ringzone kahl; Stielbasis dunkel-rotbraun und verjüngt [Laux] - letzteres Merkmal nicht anhand der Fotos eindeutig.
Substrat: Laub- und
selten an Nadelholz (meist Fichte) [Boletus1];
meist büschelig am Stammgrund [Laux], an toten und
lebenden Bäumen [Boletus1]
Und wie angekündigt alle Merkmale tabellarisch:
Schüpplinge.pdf (Größe: 116,17 KB / Downloads: 7)
Dieser Beitrag ist nichts für "nur-mal-schnell-eben-angucken-Leser", ich hoffe, dass ich die Geduld des geneigten Lesers nicht allzusehr strapaziert habe. Hinter dieser Annäherung an eine Pilzart stecken etliche Tage Recherche, und die "Bestimmung" folgte ausschließlich dem Ausschlußprinzip.