Harry
ehemaliges Mitglied
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Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Hallo Pilzfreunde,
klar, phytoparasitische Kleinpilze sind nicht jedermanns Sache. Trotzdem haben sie neben der sich nicht stellenden Frage nach Essbarkeit viele interessante Aspekte zu bieten.
Schauen wir uns mal den parasitären Ascomyceten Taphrina farlowii -Sadebeck 1890 an. Bis zum Jahre 2008 hat in Deutschland niemand von der Existenz dieses Pilzes gewusst. Der deutsche Botaniker Sadebeck hat die Art im Jahre 1890 anhand von Material aus Deutschland beschrieben. Seltsamerweise hat T. farlowii aber nie Eingang in die populärwissenschaftliche Literatur gefunden. Es kam wie es kommen musste, der Pilz geriet vollkommen in Vergessenheit und galt in Deutschland mehr als 100 Jahre als verschollen. Im Jahre 2008 habe ich nun seltsame Blattveränderungen an Prunus serotina festgestellt und diese im Spezialforum über phytoparasitische Kleinpilze und tierischen Schädlingen an Pflanzen eingestellt und damit eine äusserst interessante Diskussion entfacht. Die Wiederentdeckung der Taphrina farlowii -Sadebeck 1890 war das überraschende und hocherfreuende Ergebnis.
Genug der Vorgeschichte, ich möchte euch noch ein paar aktuelle Fotos dieser Taphrina zeigen und euch auffordern mal ein Auge auf Prunus serotina und Taphrina farlowii zu werfen. In unserer Kante ist sie zur Zeit häufig anzutreffen und kaum zu übersehen.
Taphrina farlowii - Sadebeck 1890 ( Bilder von heute morgen )
Wenn es interessiert kann hier die spannende Geschichte der Wiederentdeckung nachlesen.
http://www.pilzfotopage.de/Forum3/viewto...t=farlowii
Ich hoffe die kleine Vorstellung hat euer Interesse an den Phytoparasiten etwas entfacht.
Gruß
Harry
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| 04.07.2010 15:12 |
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emmess
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
(04.07.2010 15:12)Harry schrieb: Ich hoffe die kleine Vorstellung hat euer Interesse an den Phytoparasiten etwas entfacht.
Hi Harry,
bei mir ist das "Entfachen" schon etwas her.  Und wie es der oft unglaubliche Zufall so will, bin ich erst vor zwei Stunden aus dem Wald gekommen mit (wie ich glaube) etwas ähnlichem im Gepäck. Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich deinen tollen Beitrag dazu nutze, meine Bilder zu zeigen mit der Bitte um Bestimmungshilfe.
Jedenfalls sieht es für m ich als noch Phytoparasiten-Noob so aus, als müsste es so etwas wie das auf deinen Bildern sein. Um was für eine Pflanze es dabei geht, weiß ich leider nicht, aber das sollte für dich wohl kein Problem darstellen  :
Dann war ich doch etwas verwundert: im Glauben, ich würde auf der Unterseite die Ursache für die "Beulen" im Blatt entdecken, drehte ich das Blatt - und sah gar nichts!?
Mich würde jetzt interessieren: handelt es sich um den von dir beschriebenen Phytoparasiten oder ist es etwas anderes? Egal, ob ja oder nein: wo ist der Verursacher der "Beulen" geblieben?
Vielen Dank,
lieber Gruß,
Meinhard
P.S.
Falls mein Fund etwas ganz anderes ist als der deinige, kann ich meinen Beitrag auch gern in einen eigenen thread übertragen.
"Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken"
Carlo Karges (1951-2002) Gitarrist und Keyboarder der Rockgruppe Novalis
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.07.2010 15:31 von emmess.)
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| 04.07.2010 15:30 |
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Lobo
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Grüß Dich, Harry
Wenn ich das richtig verstehe, dann bist Du also der Wiederentdecker von Taphrina farlowii in Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!
(04.07.2010 15:12)Harry schrieb: Seltsamerweise hat T. farlowii aber nie Eingang in die populärwissenschaftliche Literatur gefunden.
Eine unschuldige Frage: Gibt es über ein doch recht ausgefallenes Spezialthema wie die phytoparasitischen Kleinpilze überhaupt eine populärwissenschaftliche Literatur?
Cumprimentos!
Wilhelm
Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.
Kaiser Wilhelm II.
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| 04.07.2010 16:15 |
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Harry
ehemaliges Mitglied
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Hallo Meinhard,
nein, du hast keine Taphrina gefunden. Deine Pflanze ist eine junge Walnuss die von Eriophyes erineus befallen ist. Diese Milbe löst die Walnussfilzgallen aus die man sehr schön auf deinen Fotos erkennen kann.
Die Verursacher sind so winzig dass man sie nur mit einer Lupe oder einem Stereomikroskop entdecken kann.
Gruß
Harry
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| 04.07.2010 16:17 |
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Harry
ehemaliges Mitglied
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Hallo Wilhelm
(04.07.2010 16:15)Lobo schrieb: Grüß Dich, Harry
Wenn ich das richtig verstehe, dann bist Du also der Wiederentdecker von Taphrina farlowii in Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!
Danke Wilhelm. Wenn man so will bin ich der Wiederentdecker von Taphrina farlowii. Dem Bestimmer Professor Heinz Butin gebührt aber ebenso Dank für seine unermüdlichen Nachforschungen, was ja letzendlich zu diesem Ergebnis führte. Also
leg: Regin
det: Butin
(04.07.2010 16:15)Lobo schrieb: Eine unschuldige Frage: Gibt es über ein doch recht ausgefallenes Spezialthema wie die phytoparasitischen Kleinpilze überhaupt eine populärwissenschaftliche Literatur? 
Ja die gibt es. An sie ranzukommen ist allerdings mit großen Schwierigkeiteiten verbunden. Sie ist schon älter und größtenteils vergriffen. Eine Liste kannst du hier einsehen.
http://www.pilzfotopage.de/Forum3/viewto...f=14&t=692
Gruß
Harry
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| 04.07.2010 16:41 |
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mykologicus
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Liebe Grüße Sabine
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Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
Immanuel Kant (1724 - 1804)
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| 05.07.2010 15:42 |
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Harry
ehemaliges Mitglied
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RE: Taphrina farlowii an Spätblühender Traubenkirsche
Hallo Sabine,
das fehlende Prozent kannst du noch hinzufügen, es ist Taphrina farlowii. Selten ist dieser parasitäre Ascomyet mit Sicherheit nicht mehr, es ist mir eigentlich ein Rätsel dass die Art so lange unentdeckt blieb. Möglicherweise ist sie erst seit ein paar Jahren wieder in diesem Maße präsent. Bei den " normalen " Pilzen gibt es das auch, dass Arten über Jahrzehnte als ausserordentlich selten galten und sich dann plötzlich explosionsartig verbreiteten.
Übrigens, deine Bilder sind aber auch nicht von schlechten Eltern.
Gruß
Harry
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| 06.07.2010 06:56 |
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